Spielregeln für eine internationale Verhandlungsführung (Teil 3)

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Im letzten Teil unserer 3-teiligen Serie beleuchten wir heute die richtige Gliederung und die Vorteile eines Perspektivwechsels.


Die Verhandlung als solche

Oft beginnt eine Verhandlung damit, dass eine Partei ihren Verhandlungsstandpunkt schriftlich der anderen übergibt oder ihn bereits vorher übersendet hat. Dieses Dokument kann ein bereits vorgefertigter Vertragsentwurf sein oder als Kernpunkte des Geschäfts (auf Englisch „Key Terms“ oder „Basic Terms“) vorliegen. Solche Kerngedanken wären beispielsweise bei einem Unternehmenskauf der Kaufpreis und die Gewährleistungsbestimmungen. Bei einem Lizenzvertrag sind es die Art der Lizenzen, der Umfang des Know-hows, die Höhe der Lizenzgebühren und die Dauer des Vertrags. 

1. Das Erforschen:

  • Finden Sie heraus, was die andere Seite denkt
  • Erforschen Sie die Interessen der Gegenseite
  • Nehmen Sie des Öfteren die Perspektive der anderen Seite ein

 

2. Die Kommunikation: 

  • Stellen Sie Fragen
  • Hören Sie aktiv zu
  • Fassen Sie Erklärungen Ihrer Verhandlungspartner kurz mit eigenen Worten zusammen
  • Verwenden Sie Beispiele und benutzen Sie das Kommunikationsmittel der Metaebene (diese zielt nicht darauf ab, worüber, sondern wie wir miteinander reden)

 

3. Das Gegenüber: 

  • Bedenken Sie mögliche persönliche Hintergründe
  • Achten Sie darauf, wie die Person/en im Unternehmen eingebunden ist/sind

 

4. Die Individualität: 

  • Achten Sie auf Fairness
  • Nutzen Sie Humor (angebracht und in Maßen)

 

5. Die Argumentation: 

  • Vergleiche, was vergleichbar ist
  • Argument der Wechselseitigkeit – das Sich-Hineinversetzen des Gegenübers in die eigene Lage und umgekehrt („wie du mir, so ich dir!“)


Gliederung

Im Rahmen der Verhandlungsvorbereitung wurde bereits dargelegt, wie wichtig es ist, die Verhandlungsmaterie richtig zu gliedern. Jetzt, im Stadium der eigentlichen Verhandlung, ergibt sich daraus noch ein weiterer Vorteil:
In der Regel streiten sich die Parteien über den Inhalt, aber nicht über die Form, weil bei letzterer inhaltliche Fragen scheinbar noch nicht auftreten. Deshalb wird die andere Seite einer am Anfang vorgeschlagenen Gliederung viel eher zustimmen als sich von etwas Inhaltlichem überzeugen zu lassen.

In diesem Zusammenhang ist es sehr hilfreich, auf die Metaebene zu gehen und über Themen, nicht über Inhalte und Einzelheiten zu reden. Damit gewinnt das Thema die formale Führung über den Inhalt und Sie haben Einfluss darauf, wann Sie bestimmte Themen ansprechen. Es ist hilfreich, die Verhandlung gemäß der nachstehenden Abbildung in einzelne Teilabschnitte zu gliedern.
 



  

„Perspektiv-Einnahme“

Es gibt ein Mittel, beide Ebenen leichter zu trennen: Man versetzt sich in die Lage der anderen Person und betrachtet die Verhandlung aus ihrer Perspektive.

Mit einer "Perspektiv-Einnahme" lässt sich besser erkennen, 

  • wie die andere Seite auf die eigenen Angebote reagiert,
  • ob ihre Argumente schlüssig sind, und
  • ob das, was sie sagt, und das, was sie wirklich meint, übereinstimmt oder widersprüchlich ist.

 
Deckt man Widersprüche auf, die allein auf dem Vortrag der anderen Partei basieren, wird sich diese sehr schlecht dagegen wehren können. Man schlägt sie mit ihren eigenen Waffen, d. h. mit ihren eigenen Argumenten und gewinnt dadurch auch an Legitimation.

Um den Standpunkt der anderen Seite richtig verstehen zu können, sollte man diese ausreden lassen und aufmerksam zuhören. Denn Zuhören und Verstehen heißt noch lange nicht, mit einer spezifischen Meinung einverstanden zu sein. Man gewinnt vielmehr die Möglichkeit, persönliche Angriffe in eine sachbezogene Auseinandersetzung umzuwandeln.

Das aufmerksame Zuhören und Ausredenlassen hilft der anderen Seite, bei Konflikten Aggressionen abzureagieren. Und diese schwinden äußerst schnell, wenn man ihnen mit interessiertem Schweigen begegnet. Die andere Partei rechnet mit Widerspruch, den sie selbst wieder zu "Munition" verarbeiten kann. Wenn diese fehlt, verpufft auch der schärfste Angriff sehr schnell. Die mögliche Eskalation von Konflikten wird dadurch vermieden, Emotionen kanalisiert und kontrolliert.

Bitte bedenken Sie: In wenigen anderen Bereichen kann so schnell so viel gewonnen, aber auch verloren werden wie in internationalen Verhandlungen. In der nächsten Ausgabe werden wir anhand eines Fallbeispiels über eine Lizenzvergabe weitere relevante Aspekte einer internationalen Verhandlung darlegen.

 

Die 3-teilige Serie hat wertvolle Anregungen für eine erfolgreiche internationale Verhandlungsführung dargelegt und aufgezeigt, worauf es im Einzelnen ankommt. Bitte denken Sie stets daran: In wenigen anderen Bereichen kann so schnell so viel gewonnen, aber auch verloren werden wie hier.
 


Zum letzten Artikel "Spielregeln für eine internationale Verhandlungsführung (Teil 1)"

Zum letzten Artikel Spielregeln für eine internationale Verhandlungsführung (Teil 2)


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Über den Autor:

Der Volljurist Sergey Frank gründete seine eigene Unternehmensberatung im Jahr 2010 in Leipzig. Mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Führungspositionen weltweit bringt der gebürtige Brite mit russischen Wurzeln in sein Unternehmen ein, darunter als internationaler Vertragsjurist für die Continental AG und als Justiziar und Leiter Marketing und Vertrieb für die EXPO 2000.

Mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Personal- und Internationalisierungsberatung sammelte Sergey Frank bei der Kienbaum Executive Consultants GmbH. Hier verantwortete er internationale Rekrutierungsprojekte in Europa, Russland, den USA, dem Mittleren Osten, Südost-Asien und Lateinamerika in den Funktionen Senior Consultant, Managing Director, als Partner und als Director International Projects.

Den Erfolgsweg von Sergey Frank markieren mehr als 300 erfolgreich durchgeführte Projekte internationaler Rekrutierungen von Spitzenpositionen und Vertriebspartnern. Jeder seiner Klienten profitiert von Sergey Franks ausgeprägter Kenntnis für die erfolgreiche Realisierung internationaler Projekte und seiner umfangreichen Erfahrungen mit mittelständischen sowie multinationalen Gesellschaften.

Sergey Frank berät und betreut seine Klienten insbesondere in den Bereichen Rekrutierung, Vertriebspartnersuche und Organisation. Neben dieser Tätigkeit vermittelt er Praxiswissen in verschiedenen Seminaren und Publikationen.